Lass dir eine Sache besonders wichtig sein

Als mein Sohn Todd 13 Jahre alt war, fragte er ich eines Tages: „Vati, wie kann ich ein guter Zeuge sein? Ich bin nicht so ein guter Christ wie Michelle (seine ältere Schwester). Michelle erzählt ihren Freunden von Christus."

Ich erinnerte mich an die Zeit, als ich so alt war wie er. Ich hatte mit zwei völlig entgegengesetzten Wünschen zu kämpfe n. Auf der einen Seite wollte ich meinen Freunden gegenüber meinen christlichen Glauben bezeugen. Auf der anderen Seite suchte ich die Anerkennung meiner Altersgenossen. Ich erinnere mich noch an die Schuldgefühle und die innere Spannung, die dieser Konflikt bei mir auslöste. Wie konnte ich meinen Sohn helfen und ihn vor ähnlichen Schwierigkeiten bewahren? Schließlich sagte ich ihm: „Todd, du musst nicht viel Worte machen. Lass dir eine Sache besonders wichtig sein: Sei ein Friedensstifter." Ich erklärte ihm, dass es Gottes Willen entspricht, wenn wir dem anderen wirklich Beachtung schenken und von uns aus die Initiative bei der Lösung von Konflikten ergreifen. Das war ein Vorschlag, den mein 13jähriger Sohn in die Tat umsetzen konnte.

Einige Wochen später hatte Todd einen heftigen Streit mit Eduardo, dem Sohn unserer Nachbarn. Das war ein harter Schlag für ihre Freundschaft.

Als Todd mir von diesem Streit erzählte, haben wir noch einmal darüber gesprochen, wie man sich als Friedensstifter verhält und haben dazu Römer 12, 17.18 gelesen: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Befleißigt euch der Ehrbarkeit gegen jedermann. Ist es möglich, soviel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden."

Todd machte bewusst den ersten Schritt, besuchte Eduardo und versöhnte sich mit ihm. Kurze Zeit später lud Eduardos Mutter meine Frau zu einem Gespräch zu sich ein. Sie erzählte, dass ihre Familie Todds Freundschaft mit Eduardo aufmerksam verfolgt hatte. Sie waren zu dem Schluss gekommen, dass in unserem Leben etwas vorhanden sei, was sie dringend brauchten. Das Leben eines 13jährigen Jungen hatte die Tür zu einer ganzen Familie geöffnet.

Es ist Gottes Absicht, den Menschen etwas durch unser Leben zu zeigen. Wenn dagegen meine christlichen Aktivitäten das sichtbarste Element meines christlichen Glaubens darstellen, dann bin ich wahrscheinlich dabei, mich selbst dadurch zu verherrlichen. Wir tun dem Evangelium großes Unrecht, wenn wir versuchen, unseren Glauben dadurch zu bezeugen, dass wir unsere moralischen Forderungen öffentlich verkündigen, unsere kirchlichen Aktivitäten jedermann vorzeigen oder unser geistliches Lebens genauestens beschreiben. Wenn sich jetzt noch jemand finden sollte, der von dieser Idee begeistert wäre, würde er wahrscheinlich denken: Vielleicht sollte ich auch Christ werden, aber woher sollte ich die Zeit dafür nehmen?

Was ist denn nun ein wirklich gutes Zeugnis? Ein Mensch mit einem guten Zeugnis ist jemand, der den Charakter Gottes verkörpert. Welch eine anziehende und überzeugende Person war Jesus! Keine gesetzliche Karikatur, sondern das Abbild der Person Gottes! Ich glaube, wirklich Gott verherrlichen heißt, seine Person mit dem ganzen Leben offenbaren. Gnade und Wahrheit, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, das sind untrennbare Eigenschaften Gottes (vgl. Joh. l, 14). In Epheser 4, 15 wird uns gesagt, dass auch Wahrheit und Liebe untrennbar zusammen gehören: „Lasset uns wahrhaftig sein in der Liebe." Wahrheit ohne Liebe zerstört. Liebe ohne Wahrheit betrügt."

Jim Petersen
Evangelisation: ein Lebensstil
ISBN 3-85614-026

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