Für die Liebe ist Offenheit wichtiger als Stärke

Jesus nahm den Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus mit sich und fing an, betrübt und geängstigt zu werden. Dann spricht er mit ihnen: „Meine Seele ist sehr betrübt, bis zum Tod. Bleibt hier und wacht mit mir!“

Matth.26, 37 u. 38



Liebe ist das Kennzeichen der Leute Gottes. Gott erwartet sie von uns, und wie wunderbar wohltuend ist es, ihr in einer Gemeinschaft von Christen zu begegnen.
Wie sieht sie aus, wie praktizierst du Liebe in deiner Familie, unter Freunden, in der Gemeinde? Von H.-J. Eckstein stammt der Satz: Für die Liebe ist Offenheit wichtiger als Stärke. Das hat mich herausgefordert. Stark bin ich gerne; ich tue gerne etwas für andere, helfe, springe ein, höre zu (hoffentlich!), mache Freude.
Bin ich auch offen? Weniger gern, denn damit mache ich mich verletzlich, angreifbar. Ich offenbare da Dinge, die mir an mir selbst nicht gefallen, meine Schwächen, mein Versagen. Und ich habe die Folgen nicht mehr in der Hand; versteht der andere mich überhaupt, akzeptiert er mich so, wird er über mich reden? Warum soll das wichtiger sein als Stärke zeigen?
Wenn Liebe das Kennzeichen der Christen ist, können wir sie von Jesus lernen. Schließlich hat er uns vorgelebt, wie der Vater sich das Mensch-Sein gedacht hat. Hat Jesus seine Liebe in der Stärke erwiesen? Sicherlich! Er heilte Kranke, trieb Dämonen aus und hat Tote auferweckt. Er war voller Zuneigung, besonders für die, die wenig bekamen: Kinder, Witwen, Aussätzige, für alle, die jede Menge Dreck am Stecken hatten. Befreit, geachtet, ermutigt gingen sie ihren Weg nach der Begegnung mit ihm weiter. Wie viel Weisheit und Kraft steckt dahinter!
War Jesus auch offen? Ja! Berichtet wird uns das aus dem Kreis seiner engsten Mitarbeiter. Er ließ sie seine Tränen sehen, seine Angst, seine Bedürftigkeit, mit dem Vater tägliche, engste Gemeinschaft zu haben. Sie sahen seinen Zorn, auch seine Müdigkeit. Er bat sie um ihr konkretes Gebet für sich (und vergab ihnen ihr Versagen!).
Meine Offenheit ermöglicht dir Stärke; du darfst derjenige sein, der mir Gutes tut. Ich bin nicht der Alles-Könner und Allein-Unterhalter, ich bin nicht besser als du, ich brauche dich. Und dann stehen wir da auf gleicher Ebene, ganz nah, in Augenhöhe: beide unvollkommene, begnadigte Sünder, die Jesus zusammengestellt hat. Weil wir so unvollkommen sind, hat Jesus uns so lieb – völlig bedingungslos. Und dieses Wissen macht mich frei, das Risiko einzugehen und offen zu sein; ich weiß ja, dass Jesu Liebe zu mir unerschütterlich ist, Gnade eben! Und du weißt dich ebenso von Gott geliebt und gibst mir diese Liebe weiter, direkt hinein in die Situation, in der ich diese helfende Liebe brauche.
Liebe braucht die Stärke, aber das Verbindende entsteht durch die Offenheit. Stärke ohne Offenheit macht arrogant, lässt den anderen verstummen, der unter seinem Nicht-Können leidet. Stärke mit Offenheit bringt uns einander näher, bringt Freude in die Beziehung und Dankbarkeit, befeuert die Liebe. Das ist Gemeinschaft; die praktizierte Liebe, an der Menschen Jesu Leute erkennen.
Das ist Gottes Werbekampagne für sein Evangelium. Wir brauchen reichlich Übung darin. Wie gut, dass wir dazu seine Gnade haben, unbegrenzt!

Ruth Martini

Zurück
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok