Peru

Der Einsatz von Nicole & Winfried Jerosch in Peru

Während ich, eingepfercht in einer der viel zu engen Sitzreihen eines Mikros, bei jedem Schlagloch – also ununterbrochen – durchgeschüttelt werde, zieht an uns in der prallen Mittagssonne die Landschaft des peruanischen Bergurwalds vorbei: Bananen- und Orangenplantagen, ab und zu eine Hütte am Weg und immer dichter werdender Urwald. Wir sind unterwegs in ein kleines Urwalddorf, namens Aina. Wir, das sind zwei peruanische Mitarbeiter der Neukirchener Mission und ich. Fredi, seit kurzem Praktikant bei der Mission und Gerado, schon lange bei der Mission beschäftigt, arbeitet in der christlichen Buchhandlung in San Ramón. Außer uns sind noch etwa 10 andere Peruaner im Mikro, einem typischen lateinamerikanischen Kleinbus – und damit ist dieser hoffnungslos unausgelastet. Ich war in Mikros, in die noch weitere 30 Personen mit Gepäck hineingequetscht wurden. Grundsätzlich hat ein Mikro unbegrenzte Passagier- und Ladekapazität – so ist das in Perú.

Das Land ist mir nun nicht mehr so fremd, vieles schon recht vertraut. 1999 habe ich mir dort die Missionsarbeit angesehen, und so weit möglich etwas mitgearbeitet, und natürlich Winfried und Nicole Jerosch, unsere Missionare dort besucht. Winfried und ich kennen uns schon lange und als sich die Gelegenheit ergab, bin ich dort hin gereist. Diesmal (April/ Mai 2003) mache ich Urlaub in Perú; aber nicht nur: Ich möchte neue Eindrücke und Impulse und auch Wegweisung von Jesus bekommen, denn seit fast fünf Jahren denke auch ich darüber nach als Missionar nach Perú zu gehen.

Plötzlich, als wir gerade eine Kurve dieser endlosen Serpentinen, die sich immer höher einen Weg durch Bergurwald und Kaffee-Plantagen bahnt, passieren, schießt ein Strahl heißer Luft vom Motorraum in den Innenraum des Mikros und breitet sich dort aus. Schnell steigen alle aus. Der Fahrer braucht gar nicht anzuhalten, die Fahrt ist ohnehin zunächst zu Ende. Der Motor total überhitzt. Die Peruaner nehmen den Zwischenfall gelassen; schließlich ist so etwas nicht gerade überraschend – quasi ein natürlicher Programmpunkt einer längeren Fahrt. Ich nutze die Gelegenheit und unterhalte mich mit Fredi.

Überhaupt kann ich mich diesmal vielmehr mit Peruanern unterhalten als damals. Mich interessiert, was sie bewegt: Oft ist es einfach der Überlebenskampf. Wenn sie Arbeit haben, dann arbeiten sie 7 Tage die Woche von morgens bis spät abends. Trotzdem gehen menschliche Beziehungen vor, die sich in einer Herzlichkeit ausdrücken, die man in Deutschland zumeist vermisst. Leider gibt es – auch im Bergurwald – viel Drogenabhängigkeit und Alkoholismus. Den Menschen fehlen Perspektiven und Leitfiguren. Die Peruaner sind sehr offen, auch für das Evangelium. Mich freut, dass die Gemeinde in San Ramón gewachsen ist: Es gibt mittlerweile Hauskreise, die Jugend macht mehr zusammen und ist größer geworden.

Auch Wini und Nicole haben gute Beziehungen zu Peruanern aus der Gemeinde. Doch ihr Aufgabengebiet ist sehr groß und vielseitig: Predigtdienste, Gemeindebesuche, Mitarbeiter-schulungen, Kinderarbeit und auch nervenaufreibende Verwaltungsaufgaben, Autoreparaturen und die ganz alltäglichen Widrigkeiten. Das Leben in Perú ist auch nicht einfach, oft gefährlich (Krankheiten, Erdrutsche, Überfälle), manchmal einsam (ohne deutsche Freunde), aber immer wieder neu herausfordernd. Trotz allem: für mich wird es immer wahrscheinlicher, dass ich einmal als Missionar nach Perú gehe. Warum nicht irgendwo anders, warum nicht in Deutschland, frage ich mich. Doch Perú lässt mich nicht mehr los!

Mittlerweile kann die Fahrt weitergehen – mit Kühlwasser aus einem Fluss. Was sonst noch so kaputt ist, interessiert jetzt nicht und tapfer kämpft sich der Mikro durch die Schlaglöcher. Spät nachmittags kommen wir an, wenn auch nicht in Aina, so doch irgendwo in der Nähe, bei Christen, die uns herzlich aufnehmen. Der Familienvater hat drei Ameisenbären für uns gejagt und ich schaue interessiert beim Fell-Abziehen zu. Später verirren wir uns dann noch im Dunkeln auf dem Weg zur Gemeinde im Urwald. Doch davon muss ich ein anderes Mal erzählen ...